Gründung, Geschichte und Entwicklung
1946
Auf zwei Kieskähnen - einer für die Bühnenaufbauten von Mozarts Jugendwerk Bastien et Bastienne, der andere für das Orchester - fand ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges die erste Bregenzer Festwoche statt. In einer Stadt, die damals nicht einmal über ein Theater verfügte, schien die Idee, Festspiele abzuhalten, aberwitzig, doch die Notlösung, den schönsten Teil der Stadt - den Bodensee - als Bühne zu wählen, erwies sich als durchschlagender Erfolg. Besucher aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und aus Frankreich liessen das Festival schon im ersten Bestandsjahr zu einem internationalen Ereignis werden. Von Beginn an bildeten die Wiener Symphoniker das Festspielorchester und haben bis heute grossen Anteil an der Entwicklung und dem Erfolg des Festivals.
1950
Die Bregenzer Festspiele erhalten ihr erstes Zuhause. Auf einer auf Holzpiloten stehenden Bühneninsel gelangen in erster Linie Operette und Ballett zur Aufführung. Der Zuschauerraum umfasst 6500 Plätze, bei Regen kann in eine 1000 Personen fassende Sporthalle ausgewichen werden. Bereits ein Jahr zuvor, 1949, wurde die Bregenzer Festspielgemeinde gegründet, ein Verein, bestehend aus Bregenzer Bürgern, der in der Folge als Veranstalter der jährlichen Festspiele auftritt.
Walter von Hoesslin setzt gemeinsam mit Adolf Rott (Regie) die ersten Schritte in Richtung eines eigenen Bregenzer Aufführungsstils, indem er als Bühnenbildner von der reinen "Guckkasten-Bühne" auf der Seebühne Abstand nahm. Für ihn ist der See nicht nur Kulisse, sondern zentraler Bestandteil der Aufführungen.
1955
Das Kornmarkttheater wird eröffnet. Dass das erste Bregenzer Theater ursprünglich ein Kornspeicher war, wird in der Namensgebung weitergeführt. Mit rund 700 Sitzplätzen ist das kleine Theater so konzipiert, dass auch Oper und Ballett aufgeführt werden können. Im Sprechtheater wird es zur Heimat des Vorarlberger Landestheaters sowie der Gastvorstellungen des Wiener Burgtheaters, des Volkstheaters, der Josefstadt und zahlreicher deutscher Bühnen im Rahmen der Festspiele. Im Bereich des Musiktheaters werden bis in die 70er-Jahre italienische Spiel- und Belcanto-Opern präsentiert.
1962
Die Festspiele dauern durch den Zuspruch des Publikums nicht nur immer länger, es wird auch das Programmangebot erweitert. Ab 1962 werden im Renaissanceschloss in Hohenems Kammermusikkonzerte und Haydnopern gespielt. Auf der Seebühne gelangen seit 1960 mit grossem Erfolg Ballettabende zur Aufführung.
1972
Während auf der Seebühne gleich zwei verschiedene Musiktheaterproduktionen zur Aufführung gelangen (Der Bettelstudent und Die Feenkönigin), wird der Martinsplatz in der Bregenzer Altstadt, auf dem in den 60er-Jahren gelegentlich Serenadenkonzerte stattfanden, als neuer Aufführungsort entdeckt. Ab nun werden in Zusammenarbeit mit dem Theater für Vorarlberg Schauspielvorführungen unter freiem Himmel geboten. Die Doppelaufführung auf der Seebühne bleibt übrigens einmalig. In Zukunft beschränkt man sich wieder auf eine Inszenierung pro Spieljahr auf dem See.
1979/80
Mit der Eröffnung des Festspiel- und Kongresshauses (1980, neue Seebühne 1979) geht ein lange gehegter Traum der Festspiele in Erfüllung. Obwohl nach vielen Diskussionen nur ein Rumpfprojekt der ursprünglichen Vorlage verwirklicht wurde, sind nun neue Dimensionen möglich. Das Festspielhaus ist mit der Seebühne verbunden, sodass bei einer plötzlichen Wetterverschlechterung eine Aufführung im Haus für rund 1700 der 4500 Besucher möglich ist. Die Festspielhausbühne entspricht in ihren Dimensionen jenen internationaler Häuser. Die neue Seebühne verfügt über einen Betonkern, in dem sich die wichtigsten infrastrukturellen Einrichtungen sowie der Orchestergraben befinden; um diesen Kern herum wird auf Holzpiloten das Fundament für das jeweilige Bühnenbild gelegt.
1985
Mit dem Triumph der Zauberflöte auf der Seebühne wird eine neue Ära eingeleitet. In Zukunft wird das Spiel auf dem See jeweils zwei Sommer lang gespielt. Die Bühnenaufbauten werden nun stabiler, da sie auch im Winter stehen bleiben. Die Entwicklung einer eigenständigen Bregenzer Dramaturgie soll vor allem die Hemmschwellen des Publikums abbauen und den Gedanken des für jeden zugänglichen Volkstheaters mit künstlerischem Anspruch betonen. Die Bregenzer Dramaturgie sieht für das Spiel auf dem See eine betonte Visualisierung der Opernthemen vor. Dadurch wird der Inhalt emotional aufgenommen und leichter verständlich, sodass auch für jene Besucher, die selten in die Oper gehen, ein spontanes Verstehen der Vorgänge möglich wird. Diese besondere Art der Darstellung, die Unverwechselbarkeit des Ortes und die besondere Atmosphäre des Theaters unter freiem Himmel, stellen den besonderen Reiz der Bregenzer Festspiele dar.
1988
Die Bregenzer Dramaturgie setzt auch im Festspielhaus neue Akzente. Als Gegengewicht zum opulenten Spiel auf dem See werden Opernraritäten aufgeführt. Mit künstlerisch anspruchsvollen und modernen Inszenierungen sollen zu Unrecht selten gespielte bzw. vergessene Opern ihren Weg zurück in die Spielpläne finden. International stark beachtet festigt diese Aufführungsschiene, der eine eigene Bühnenästhetik zugrunde liegt, den Ruf der Bregenzer Festspiele als innovatives Festival.
1993/94
Das Zuschauerinteresse für die Seeproduktion Nabucco übersteigt alle Erwartungen; auch mit der Errichtung von Zusatztribünen und dem Einschub von zusätzlichen Vorstellungen kann das Interesse nur unzureichend befriedigt werden. Über 300.000 Menschen erleben in diesen beiden Sommern Verdis Nabucco auf der Seebühne. Nach langen Diskussionen wird der Bau einer Probebühne von den Subventionsgebern bewilligt. Direkt beim Festspielhaus angedockt soll sie die Produktionsbedingungen wesentlich erleichtern und somit auch kostengünstiger machen.
1995
Die Bregenzer Festspiele werden zum 50. Mal durchgeführt. Mit Beethovens Fidelio auf der Seebühne (Dirigent Ulf Schirmer, Regie David Pountney, Bühne Stefanos Lazaridis) und Rimski-Korsakows Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch (Dirigent Vladimir Fedoseyev, Regie Harry Kupfer, Bühne Hans Schavernoch) wird die Bregenzer Dramaturgie, einem populären Werk auf der Seebühne ein unbekanntes im Festspielhaus entgegenzusetzen, fortgeführt.
1995/96
In den Jubiläumsjahren der Bregenzer Festspiele übersteigt das Zuschauerinteresse alle Erwartungen, auch Zusatztribünen und der Einschub von zusätzlichen Vorstellungen können die Kartennachfrage nur unzureichend befriedigen. Mit insgesamt 318.000 Zuschauern wird Fidelio zur bestbesuchten Produktion auf der Seebühne.
1997/98
Die Bregenzer Festspiele machen sich auf zu neuen Ufern. Sichtbares Zeichen dafür ist einerseits der mächtig aus dem See emporragende Highway als Kulisse für George Gershwins Porgy and Bess, Neuorientierung und Aufbruch signalisiert vor allem aber die Werkstattbühne, die völlig neue Perspektiven eröffnet. Die Werkstatt- und Probebühne ergänzt die Theaterschauplätze See und Festspielhaus, sodass 1998 mit drei verschiedenen Bühnen - der Seebühne, dem Grossen Saal im Festspielhaus und der neuen Werkstattbühne - insgesamt 12.000 Theaterplätze zur Verfügung stehen. 1998 fand die szenische Urauffühung von Georg Friedrich Haas' Oper Nacht auf der Werkstattbühne statt. Die Bregenzer Festspiele setzen mit dem Programm cross culture eindrucksvolle Akzente im Programmbereich für ein jugendliches Publikum und erreichen damit jährlich bis zu 10.000 Jugendliche. cross culture erhält 1998 den Österreichischen Staaspreis für Public Relations.
1999/2000
Als Spiel auf dem See kommt 1999 erstmals in der Geschichte der Bregenzer Festspiele Ein Maskenball von Giuseppe Verdi zur Aufführung. Zu einer Musik, die Kontraste wie Tanz und Tod in sich vereinigte, trat eine szenische Umsetzung, deren Bilder im Sommer 1999 um die Welt gingen. Weitere Highlights waren die Opern im Festspielhaus – 1999 Bohuslav Martinus Griechische Passion, 2000 Der Goldene Hahn von Nikolai Rimsky Korsakow – sowie auf der Werkstattbühne 1999 die Mono-Oper Das Tagebuch der Anne Frank von Grigori Frid und das fringe-festival sowie 2000 Astor Piazzollas Tango-Operita Maria de Buenos Aires.
2001 /2002
Nach dem grossen Erfolg von Guiseppe Verdis Ein Maskenball auf der Seebühne setzen die Bregenzer Festspiele weiterhin auf das fulminante britische Regieduo Richard Jones und Antony McDonald. Auf dem Programm steht Giacomo Puccinis Erfolgsoper La Bohème, in deren Zentrum Leben, Gefühle, Sehnsüchte und Hoffnungen einer Gruppe junger Künstler in der Grossstadt Paris stehen. Auch in der Oper im Festspielhaus, Carlisle Floyds Of Mice and Men nach dem berühmten, gleichnamigen Roman von John Steinbeck, geht es um die Traumwelten, Hoffnungen und Enttäuschungen zweier Aussenseiter der Gesellschaft. Außerdem ebnen Bregenzer Festspiele im Sommer 2001 zeitgenössischem Kunstschaffen neue Wege: Kunst aus der Zeit bringt in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Thalia Theater zeitgenössisches Theater auf die Wekstattbühne, während eine neue Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz ganz im Zeichen des Themas "Amerika des 20. Jahrhunderts" steht.
2003
Im Abschiedsjahr des langjährigen Intendanten Alfred Wopmann brachte das Festival Leonard Bernsteins Erfolgsmusical West Side Story auf die größte Seebühne der Welt: Bernstein schuf mit der zeitlosen Liebesgeschichte eine neue und zugleich einzigartige Form des Musiktheaters. Unvergessliche Songs wie "Maria", "America" oder "Tonight" und eine atemberaubende Choreographie rogen die Zuschauer im Sommer 2003 auf der Seebühne in ihren Bann. Regie führte die Amerikanerin Francesca Zambello, für die Choreografie zeichnete Richard Wherlock verantwortlich, das Bühnenbild war von George Tsypin.
Im Festspielhaus stand Leos Janaceks Oper Das Schlaue Füchslein auf dem Programm: Ähnlich wie in Mozarts Zauberflöte spielen in dieser Oper die Naturelemente und ihr ewiger Kreislauf eine zentrale Rolle. Es inszeniert eDaniel Slater, für die Ausstattung zeichnete Robert Innes Hopkins verantwortlich.
Kunst aus der Zeit brachte unter anderem die Uraufführung der neue Oper des Komponisten Georg Friedrich Haas die schöne wunde. Das Hamburger Thalia Theater gastierte im Sommer 2003 mit Nacht und Träume von Samuel Beckett erstmals mit einer Premiere.
2004
Die erste Festspielsaison des neuen Intendanten David Pountney brachte ganz dem Motto "Kontinuität und Erneuerung" entsprechend die Wiederaufnahme von Bernsteins gefeiertem Erfolgsmuscial West Side Story auf der Seebühne sowie auch zahlreiche Neuerungen: Gleich zu Beginn des Festspielsommers sorgte die neu gestaltete Eröffnung für frischen Wind: "Ernsthafte, interessante Ideen in einem populären Format zu präsentieren, das ist es, was die Bregenzer Festspiele zu einem so einzigartigen Festival gemacht hat. Diesen Weg weiterzugehen und zu vertiefen war und ist mein erklärtes Ziel", so Intendant David Pountney über seine erste Saison. Erstmals stand der Festspielsommer ganz im Zeichen eines speziellen Schwerpunkts, der 2004 dem Komponisten Kurt Weill gewidmet war. So wurden im Rahmen der Oper im Festspielhaus Weills selten gespielte Frühwerke Der Protagonist und Royal Palace aufgeführt, während im Bregenzer Kornmarkttheater seine vergessene Operette Der Kuhhandel in der Inszenierung von Intendant David Pountney den Auftakt einer neuen Operettenscheine bildete.
Die Besucherzahl der zeitgenössischen Programmreihe Kunst aus der Zeit KAZ hat im Sommer 2004 alle Erwartungen übertroffen: Von David Pountney ausgebaut und weiter aufgewertet, konnte KAZ mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen aufwarten, darunter The Story of Io des britischen Komponisten-Altmeisters Sir Harrison Birtwistle und Hoffmanniana des jungen Vorarlberger Komponisten Thomas Dézsy. Das Hamburger Thalia Theater begeisterte die Zuschauer mit der satirischen Rentnerkomödie Thalia Vista Social Club.
2005
David Pountneys Entscheidung, nach dem Musical West Side Story mit Giuseppe Verdis Der Troubadour wieder zu epischen Opern auf der Seebühne zurückzukehren, war großer Erfolg beschieden: Das erste Spiel auf dem See unter seiner Intendanz ist die bestbesuchte Oper seit 1998 und hat damit sowohl Ein Maskenball (1999) als auch La Bohème (2001) überflügelt. 172.862 Menschen erlebten Giuseppe Verdis Meisterwerk im spektakulären Bühnenbild von Paul Steinberg und der packenden Inszenierung von Robert Carsen.
Die Oper im Festspielhaus und die Orchesterkonzerte standen im Sommer 2005 ganz im Zeichen eines Festspielschwerpunkts rund um das Werk des dänischen Komponisten Carl Nielsen. Seine Oper Maskerade erfreute sich ale Oper im Festspielhaus eines regen Publikumszuspruchs und bestätigte Pountneys Konzept eines eigenen künstlerischen Schwerpunkts für die vier Festspielwochen: Nicht nur die Werkauswahl, auch David Pountneys temperamentvolle Inszenierung von Nielsens humorvoller Oper rund um ein Maskenfest beeindruckte.
Was im vergangenen Jahr mit Weills Der Kuhhandel so erfolgreich begonnen wurde, konnte auch 2005 im Bregenzer Kornmarkttheater fortgesetzt werden: Alle Vorstellungen von Johann Strauß’ vergessener Operette Der Lustige Krieg waren restlos ausverkauft., was eindrücklich bewies, dass Pountneys Idee, das Kornmarkttheater für die Wiederentdeckung selten gespielter Operetten zu nutzen, vom Publikum begeistert angenommen wird.
Die zeitgenössische Schiene KAZ Kunst aus der Zeit konnte sich im zweiten Jahr von Intendant David Pountney weiter etablieren und erreichte eine Besucherzahl von 3.751. Das entspricht einer Auslastung von 92 Prozent im Kunsthaus Bregenz und 86 Prozent auf der Werkstattbühne. Die Auflage des KAZ-Passes – der Ermäßigungsausweis für alle Veranstaltungen der Reihe Kunst aus der Zeit – , die im vergangenen Jahr aufgrund der großen Nachfrage verdoppelt wurde, wurde 2005 um weitere 40 Prozent aufgestockt und war bereits im Juli restlos ausverkauft.
2006
Das Spiel auf dem See der Jahre 2005 und 2006, Der Troubadour, reiht sich unter die erfolgreichsten Opern auf der Seebühne der vergangenen zehn Jahre: 301.573 Besucher sahen in zwei Jahren die spektakuläre Inszenierung von Robert Carsen und Paul Steinberg. Damit liegt Giuseppe Verdis Meisterwerk gleichauf mit Ein Maskenball (1999/2000) und knapp hinter La Bohème (2001/2002). Die zeitgenössische Programmreihe Kunst aus der Zeit und die Orchesterkonzerte erzielten Besucherrekorde, insgesamt kamen 175.819 Besucher zu den Bregenzer Festspielen 2006.
Für Festspielpräsident Günter Rhomberg stand der Sommer 2006 vor allem im Zeichen des neueröffneten Festspielhauses: "Unser schönstes Geburtstagsgeschenk zum 60-jährigen Jubiläum war ohne Zweifel das neu sanierte Festspielhaus: Endlich war es in diesem Sommer möglich, dem Publikum unser Programm in einer Infrastruktur darzubieten, die der Qualität der Festspielaufführungen gerecht wird. Damit können die Bregenzer Festspiele ihre Spitzenstellung in der europäischen Festivalszene weiter festigen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, ein weiteres Mal all jenen zu danken, die uns bei der Finanzierung der Sanierung unterstützt haben und damit einen so großartigen Festspielsommer wie den vergangenen überhaupt erst ermöglicht haben."
Intendant David Pountney freute sich vor allem über die Besucherrekorde bei den Orchesterkonzerten und bei Kunst aus der Zeit: "Unsere Absicht, in einem Jahr, in dem die ganze Nation Mozart feiert, in den Orchesterkonzerten und in Kunst aus der Zeit mit einem Österreich-Schwerpunkt nicht nur einem einzigen, sondern einer ganzen Reihe heimischer Künstler einen gebührenden Platz einzuräumen, ist vom Publikum mit neuen Besucherrekorden eindrucksvoll bestätigt worden. Für mich persönlich war das Highlight dieses 'Österreichsommers' aber Friedrich Cerhas epischer Orchesterzyklus Spiegel als Eröffnungskonzert der Bregenzer Festspiele: Dieser Abend war nicht nur ein Tribut an einen der größten lebenden österreichischen Komponisten; dass die Bregenzer Festspiele erstmals mit einer KAZ-Produktion eröffnet wurden, soll ein Zeichen sein für den Stellenwert, den das Zeitgenössische in unserem Programm inzwischen einnimmt."
Einhellige Begeisterung bei Kritik und Publikum gab es für die Oper im Festspielhaus Der Untergang des Hauses Usher von Claude Debussy: In der ersten Opernproduktion im Rahmen der Bregenzer Festspiele auf der Bühne des neu renovierten Festspielhauses gelang es auf einzigartige Weise, Debussys Ballette Prélude à l’après-midi d’un faune und Jeux sowie den neu vollendeten Operneinakter Der Untergang des Hauses Usher zu vereinen. Die Operette am Kornmarkt war auch 2006 lange vor der Premiere restlos ausverkauft: 3.053 Besucher erlebten Jacques Offenbachs bissiges Werk Blaubart rund um den gleichnamigen, von Regisseur Stephen Langridge und Bühnenbildner George Souglides kurzerhand in eine James-Bond-Welt versetzten, "Serien-Monogamisten".
2007
Die 62. Bregenzer Festspiele können eine äußerst positive Bilanz ziehen: Insgesamt besuchten rund 200.000 Menschen die sechzig Veranstaltungen des Sommerfestivals. Das Spiel auf dem See 2007/08, Giacomo Puccinis Opernthriller Tosca, erlebten rund 164.000 Gäste. Damit zählt diese Produktion zu den erfolgreichsten Opernaufführungen der vergangenen zehn Jahre.
"Tosca hat sich als ideale Wahl für die Seebühne herausgestellt. Nicht nur die packende Inszenierung von Philipp Himmelmann und das spektakuläre Bühnenbildner von Johannes Leiacker, auch die emotionalen Momente dieser Oper ziehen das Publikum allabendlich in ihren Bann", freut sich der kaufmännische Direktor der Bregenzer Festspiele, Franz Salzmann. Ebenso konnte das neue Soundsystem BOA überzeugen: "Erstmals ist auf der Seebühne der Klang genauso spektakulär wie die Szene", schrieb etwa der Münchner Merkur. Für den Mannheimer Morgen war vor allem das "Te Deum" ein "Opernhochamt der Superlative: Wer hier keine Gänsehaut bekommt, der liebt die Oper nicht."
Mit seinem ersten und letzten Musiktheaterwerk sowie zahlreichen Orchesterwerken stand der Festspielsommer 2007 ganz im Zeichen des englischen Komponisten Benjamin Britten. Yoshi Oidas einfühlsam-schlichte Inszenierung von Brittens Spätwerk Tod in Venedig begeisterte die Kritiker: Hervorgehoben wurde vor allem die grandiose sängerische und schauspielerische Leistung von Tenor Alan Oke, der den Schriftsteller Gustav von Aschenbach verkörperte. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass der 'Britten and Britain'-Schwerpunkt so gut angekommen ist“, sagt Festspielintendant David Pountney. "England galt lange als das 'Land ohne Musik'. Umso mehr freut es mich zu sehen, wie dieser großartige Komponist die Bregenzer Besucher bezaubert hat."
Großes Lob erhielt aber auch die zweite Britten-Rarität des diesjährigen Sommers, die Operette Paul Bunyan im Kornmarkttheater. Hier war es vor allem die hervorragende musikalische Umsetzung des Vorarlberger Symphonieorchesters unter der Leitung des Britten-Spezialisten Steuart Bedford, die überzeugen konnte. Die Idee, das Schauspiel mit Gastspielen des Wiener Josefstadt-Theaters (Gefährliche Liebschaften) und des Hamburger Thalia Theaters (Ein Sommernachtstraum) wieder stärker ins Zentrum des Festspielprogramms zu rücken, wurde vom Publikum bestätigt.
"Made in Britain" hieß es auch bei Kunst aus der Zeit, der zeitgenössischen Reihe der Bregenzer Festspiele: Neben Performances der Gruppe Gob Squad sowie vier Konzerten, die zeitgenössische britische Komponisten ins Rampenlicht stellten, begeisterten vor allem die österreichische Erstaufführung der Oper The Shops sowie die Fußballoper Playing Away in der Regie von David Pountney.
2008
Das Spiel auf dem See Tosca hat sich auch in seiner zweiten Saison als großer Publikumserfolg erwiesen: Nach den James-Bond-Dreharbeiten und dem ZDF-EM-Studio konnte das berühmte blaue Tosca-Auge auch in seiner "Originalform" als Opernkulisse die Menschen an den Bodensee locken. 140.128 Besucher machen Tosca zur bestbesuchten Opernwiederaufnahme der vergangenen zehn Jahre bei einer Auslastung von 93 Prozent. Insgesamt haben 180.525 Menschen die Bregenzer Festspiele 2008 besucht, dies entspricht einer Gesamtauslastung von 92 Prozent.
Das weitere Festspielprogramm stand im Sommer 2008 ganz im Zeichen eines umfangreichen Schwerpunkts, der dem österreichischen Komponisten Ernst Krenek (1900 - 1991) gewidmet war. Intendant David Pountney fühlte sich durch den Erfolg der Oper im Festspielhaus, Kreneks "Bühnenwerk mit Musik" Karl V. und der Operette am Kornmarkt Kehraus um St. Stephan in seiner Überzeugung, dass Festspiele ein Ort dafür sind, Außergewöhnliches auf die Bühne zu bringen, bestätigt: "Es freut mich sehr, dass diese beiden so selten gespielten Werke so großen Anklang fanden."
Die Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker und des Symphonieorchesters Vorarlberg standen 2008 drehten sich mit Werken rund um Götter, Könige und Parteivorsitzende ganz um die Thematik "Macht und Musik".
Zwei ausverkaufte Schauspielproduktionen – das Wiener Theater in der Josefstadt mit Buddenbrooks von John von Düffel nach Thomas Mann im Theater am Kornmarkt, das Hamburger Thalia Theater mit René Polleschs Die Welt zu Gast bei reichen Eltern im Shed8 – und hervorragende Kritiken haben den neuen Schauspielschwerpunkt auch in seinem zweiten Jahr zu einem Highlight des Festivalsommers gemacht. Die zeitgenössische Reihe Kunst aus der Zeit konnte in diesem Jahr auf der Werkstattbühne mit drei Uraufführungen aufwarten, das Jugendprogramm crossculture erreichte mit dem umfangreichste Programm seit Anbeginn einen neuen Teilnehmer- und Besucherrekord.
James Bond im Auge der Tosca
Für die spektakuläre Umsetzung von Puccinis Opernthriller Tosca begeisterten sich im vergangenen Sommer nicht nur Besucher aus aller Welt: Im Juli 2007 hatte ein Team von EON Productions, der Produktionsfirma, die hinter den Bond-Filmen steht, eine der letzten Tosca-Proben besucht. Produzentin Barbara Broccoli und Regisseur Marc Forster waren schwer beeindruckt – von der einzigartigen Location am Bodenseeufer, dem imposanten Bühnenbild mit seinen technischen Möglichkeiten und der modernen Architektur des Festspielhauses.
In der ersten Maiwoche war es dann so weit: Die Bregenzer Tosca wurde für zehn Tage zum Schauplatz des neuesten Bond-Streifens Quantum of Solace, der im November 2008 in die Kinos kam: In siebeneinhalb Minuten packender Action im Festspielhaus und auf der Seebühne entdeckt Bond während der Tosca-Vorstellung erstmals seine Widersacher. Die spektakuläre Inszenierung liefert dabei aber nicht nur einzigartige Bilder – Puccinis Musik sorgt auch für den dramatischen Soundtrack.
Regisseur Marc Forster hat das Spiel auf dem See auf ganz eigene Art und Weise in die Filmhandlung einfügt: Die Jagd durch das Festspielhaus läuft am Schluss ab wie ein apokalyptischer Stummfilm – immer wieder durchsetzt mit den eindrucksvollen Szenen der Oper.
Die Seebühne - das "9. Stadion" der EURO 2008
Das Tosca-Auge ganz in ZDF-Orange, La Ola auf der Seetribüne, Fahnenmeere und friedliche Fans: Das war die EURO 2008 in Bregenz. Mehr als 160.000 Schlachtenbummler feierten beim Public Viewing auf der Seebühne, im Torwand-Parcours am Vorplatz und bei der Fußball-Ausstellung des Landes Baden-Württemberg drei Wochen lang ein Fußballfest.
Herzstück war natürlich die "ZDFarena" auf der Seebühne: An allen ZDF-Spieltagen moderierte und kommentierte die ZDF-Dreierkette Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier vor tausenden begeisterten Fans. "Das war große Oper für großen Sport", freute sich der kaufmännische Direktor der Bregenzer Festspiele, Franz Salzmann über diesen Erfolg.